Paul weiß schon lange Bescheid: Bewegtbild auf Instagram, Tiktok und Youtube ist King, der Selfiepost auf LinkedIn ist Queen. “Du musst den Algorithmus nur hacken” haben sie gesagt. “Einfach deine Inhalte tanzen” empfahlen sie. “Oder ein Video aufnehmen, wo du nur bedeutungsschwanger guckst!”. Seitdem filmt er sich immer morgens beim Rasieren, legt den neuesten Trendsound darunter und legt seine Inhalte als Text darüber. In die Caption schreibt er Dinge wie “Kommentiere ‘müde’ & ich schicke dir meine Tipps zum wachwerden inklusive des Rabattcodes für den gesunden Matcha-Tee.”. Er fühlt sich leer, aber leider funktioniert es: Bis 10 Uhr haben 28 Leute mit ‘müde’ kommentiert und erhalten automatisch seine Tipps. Aus dem Rasur-Video nimmt er ein Standbild und ergänzt es um die Überschrift “Was ich heute früh beim Rasieren gelernt habe”, formuliert seine Wachwerden-Tipps in “10 Learnings” um und dankt seinen fünf letzten Chefs. Sofort kommentieren Menschen, die auffällig viele SelfiePosts haben, mit Aussagen wie “Echt stark, Paul!”.
Social Media frisst zu viel Energie für zu wenig echten Austausch
Natürlich gibt es da draußen viele, viele Tipps, wie man die eigene Reichweite erhöhen kann und damit die eigenen Inhalte der eigenen Zielgruppe zugänglich macht. Viele Seiten haben sich darauf spezialisiert. Es ist ein Handwerk, das man lernen kann. Aber es kostet immer noch verdammt viel Zeit (zumindest wenn es Content auf Basis eigener Gedanken sein soll). Bei Kathrin Gildner habe ich gelernt, wie man den eigenen Content für verschiedene Formate sinnvoll recyclen kann und es hat sogar Spaß gemacht. Aber es ist – vor allem als Solo-Selbständige ohne SocialMedia-Team – eben auch anstrengend. Und das wäre alles nur halb so schlimm, wenn es sich wenigstens lohnen würde. Stattdessen verstärkt es die vorhandenen Un-Logiken nur.
Ständig den Algorithmus “hacken” zu müssen, fühlt sich an wie ein absurdes Spiel. Wer ernsthaft vertiefen und diskutieren will, wird vom System ausgebremst, während Clickbait und sinnlose Interaktionen („kommentiere mit ‚müde‘) belohnt werden.
Hatespeech, Broligarchen & der schale Beigeschmack
Die großen Plattformen tun immer weniger gegen Hass und Falschinformationen. Währenddessen stärken sie gezielt Akteure, die fragwürdige politische Agenden vorantreiben. Das macht es zunehmend unangenehm, dort zu agieren. Erst habe ich Facebook leise sterben lassen, dann X (a.k.a. twitter) verlassen. Und dennoch: Sich überall verabschieden und die Plätze den Trolls und Bots überlassen kann auch nicht die Lösung sein.
Denn da sind ja auch all die guten Seiten: Menschen und ihre Inhalte, die ich ohne die Plattformen gar nicht entdeckt hätte. Ein absolut grandioses Beispiel dafür, wie man ernsthaften Content mit Leichtigkeit so verpackt, dass alle davon lernen, ist übrigens Tupoka Ogette. Allein durch ihr Format “Fragen aus der Community an die Community” habe ich schon soviel gelernt! Leute wie sie geben mir immer noch die Hoffnung, dass es auch qualitativ hochwertige und politisch relevante Themen dort “schaffen”. Auch deshalb mag ich Social Media nicht den Rücken kehren.
Ich schreibe lieber für echte Menschen als für einen Algorithmus
Social Media bestimmt, was gesehen wird – nicht die Leser, nicht die Sender. Wertvolle Inhalte werden oft übersehen, weil das System auf Aufmerksamkeit statt auf Relevanz optimiert ist. Ich möchte direkt mit den Menschen in den Austausch kommen, die meine Inhalte wirklich interessieren. Und ja, natürlich werde ich meine Texte auch weiterhin optimieren, aber eben nicht nur nach Schema F.
Social-Media-Posts sind kurzlebig und fragmentiert. Ein Newsletter erlaubt es mir, Themen gebündelt und mit mehr Substanz aufzubereiten. Das macht es für euch wertvoller und für mich nachhaltiger. Wenn ich ein extra pdf zum Thema habe, kommt es mit rein. Wenn es einen interessanten Termin gibt, werde ich ihn verlinken. Und wenn ihr mir Feedback gebt, werde ich es gern aufnehmen und integrieren.
Unabhängigkeit: Ihr müsst nicht bleiben, wo ich bin
Vielleicht geht es euch ja ähnlich und ihr überlegt auch, wo ihr noch bleiben wollt. Wer sich von einer Plattform verabschiedet, verliert oft den Zugang zu guten Inhalten. Mit einem Newsletter kann ich meine Leser unabhängig davon erreichen, wo sie sich digital aufhalten.
So wird der Newsletter eine Ergänzung – keine Flucht aus Social Media, sondern ein Raum für gebündelte Informationen rund um ein Fokusthema sowie konzentrierteren Austausch. Wer sich also weniger vom Algorithmus und mehr von echtem Interesse leiten lassen will: Ihr seid herzlich eingeladen! 🚀
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20. März 2025, 07:53
So treffend! Ich hätte es nicht besser schreiben können. Mittlerweile habe ich ein gestörtes Verhältnis zu Social Media… Freue mich schon auf den Newsletter!